Copyright: Heimatverein
Edelweiß e.V.
 

Sundremdaer Geschichte
nach "Ortschronik des Dorfes Sundremda" von Friedrich Knauf von 1910 und Gottfried Völkerling von 1989


Sundremda fand erstmals 775/ 776 im Zuge einer Schenkung Karl des Großen an das Kloster Hersfeld urkundliche Erwähnung. Wahrscheinlich existierte der Ort aber als slawische Siedlung schon viel länger (Ausgrabung von Gräberfeldern 1895). War zur Ersterwähnung noch von "drei Remda genannten Dörfern" die Rede, so kam 1286 das erste Mal der Name "Suntremete" auf. Ab 1740 wurde die heutige Schreibweise "Sundremda" geführt (Sund= Süd; Remda = Remnidi = Rendi = Rand).

Im Lauf der Jahre stand Sundremda unter dem Lehen verschiedener Fürstenhäuser- so z.b. der Fürsten von Schwarzburg und der Grafen von Gleichen- denen auf "dem Gute zu Remda" auch Frondienste geleistet werden mussten.
Die Einwohner Sundremdas zu der Zeit sind einfache Leute- meist Landwirte (Schafzucht) und Handwerker (Schmiede und Zimmerleute). Das Leben ist sehr beschaulich, viele Häuser sind z.B. nur mit Stroh gedeckt.

Genauere Daten zu Sundremda finden sich erst ab 1627 mit Beginn der kirchlichen Aufzeichnungen. In dieser Zeit litten die Sundremdaer unter den Wirren des 30jährigen Krieges (1618- 1648), durch Gewaltorgien durchziehender Soldaten und die Pest gab es viele Todesopfer.
Auch der Siebenjährige Krieg (
1756–1763) brachte viele Seuchen und eine große Hungersnot. Die napoleonische Zeit ging hingegen fast spurlos an den Sundremdaern vorbei ("Doch Gott sei gedankt, hier in Sundremda haben wir keinen Franzosen gesehen").

Die Ausläufer der Aufklärung erreichten 1788 auch Sundremda und zeigten sich im Bau einer Schule in der Dorfmitte. 1886 war das alte Schulgebäude zu klein geworden und es erfolgte die Einweihung des neuen Schulgebäudes (Fluckesches Anwesen). Ab 1950 mussten die Kinder jedoch nach Remda in die Schule, so dass das Gebäude fortan als Kindertagesstätte genutzt wurde.
Durch die Separation (Flurbereinigung) 1876 wurden die Sundremdaer von ihren Abgaben befreit und durch die rationellere Bewirtschaftung der Felder (1909 Gründung der Dampfdreschgenossenschaft zur Stärkung der Zusammenarbeit der Bauern) und den Umstieg auf die Rinder- und Schweinehaltung besserten sich bald auch die Lebensverhältnisse. Durch hohe Schulden konnten weitere wirtschaftliche Verbesserungen (Wasserleitungen, Elektrizität) jedoch noch nicht in Angriff genommen werden, der Anschluss an das Eisenbahnnetz wurde trotzdem angestrebt.

Während des 1. Weltkrieges hatte Sundremda sowohl unter den hohen Abgaben zu leiden, als auch einige im Kampf gefallenen Söhne und Väter zu beklagen.

Im Jahre 1922 kommt Sundremda zum Kreis Rudolstadt, ab 1928 gibt es im Dorf Licht und Strom. Das kulturelle Leben im Dorf wird durch den 1922 gegründeten Burschenverein "Edelweiß" dominiert, in dem alle jungen Männer ab 18 Jahren bis zu ihrer Verheiratung Mitglied sind. Die jungen Mädchen vertreiben sich die Zeit mit wöchentlichen "Spinnstubenabenden".

Nach politischem Desinteresse in der Nachkriegszeit (von einzelnen Sozialdemokraten wird berichtet) beginnt Anfang der 30er Jahre auch in Sundremda die Nazifizierung. Während des 2. Weltkrieges (1939- 1945) werden in Sundremda viele Gefangene als Arbeiter eingesetzt. Aus Sundremda werden viele junge Männer, Pferde und Maschinen an die Front geschickt- 23 Männer fallen oder werden für immer vermisst. Kurz vor Kriegsende werden Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald durch Sundremda getrieben, während der Rast in Sundremda gelingt mehreren Häftlingen die Flucht, vier von ihnen werden jedoch dabei durch die SS-Bewacher erschossen. Sie liegen auch heute noch auf dem Sundremdaer Friedhof bestattet- ihnen wurde 1971 ein Denkmal gewidmet.
"Wegen Schießereien einer Handvoll Unentwegter" wird Sundremda kurz vor der Befreiung von amerikanischen Kräften beschossen und schwer beschädigt. Nach Aufteilung der Besatzungzonen ziehen sowjetische Besatzungssoldaten, sowie viele Flüchtlingen aus dem Osten ins Dorf ein.

Die Nachkriegszeit ist wieder von hohen Abgaben und Entbehrungen gekennzeichnet.
Ab 1948 beginnen die verschiedenen sozialistischen Umstrukturierungen, die in der Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Typ III "Thomas Müntzer" 1953 bzw. 1955 gegipfelt haben.
Nach Erfassung der Quellen um Sundremda (u.a. in der Utschke), wurde 1957 beschlossen die "Riesenquelle" (am Ortsausgang Richtung Remda) zu erschließen. Es wird von Leistungen um die 70 Liter pro Sekunde berichtet.
1968 wird das "Bonifatiuskreuz" nach verschiedenen Standorten an seinem heutigen Standort an der Straße nach Remda zwischen zwei Eschen plaziert (siehe: www.suehnekreuz.de).

Vorläufiger Höhepunkt verschiedener Ausbauten in Sundremda (Straßen, Wasserleitung (1956), Kanalisation) ist die 1200 Jahrfeier im Jahre 1976. Die Sundremdaer geben ein rauschendes Fest.
Ab 1982 sind die ersten Fernsehprogramme in Sundremda zu empfangen.
Die Ortsvereinigung der VdgB macht es sich zur Aufgabe, das kulturelle Leben und die Traditionspflege in Sundremda nach einem vermehrten Rückzug der Bewohner in ihre eigenen vier Wände wiederzubeleben. Es folgt die Idee für ein neues Traditionsfest- die 1987 mit dem Frühlingsfest umgesetzt wird. Eingeschränkt wird die neue Initiative jedoch durch chronisch leere Kassen und den zunehmend schlechteren Zustand der Dorfinfrastruktur.

Die Zeichen der Wende 1989 sind in Sundremda nur abgemildert zu spüren, doch regt sich auch hier die Hoffnung auf eine Neuentwicklung.
Nach sieben Jahren der selbstständigen Verwaltung wird Sundremda im Rahmen des Gemeindeneugliederungsgesetzes am 01.01.1997 ein Ortsteil der Einheitsgemeinde Stadt Remda- Teichel.




Amüsante Episoden der Sundremdaer Chronik:

"An das Leben stellt man geringe Ansprüche. Aber einen guten Trunk scheint man nicht zu verachten. Öfter wurde gebraut. Beim Brauen werden auch zwei Unglücksfälle erwähnt- eine Frau zieht sich beim Biertragen einen Schaden zu und ein Braumeister fällt in die Braupfanne. Statt des Arbeitslohnes wird desöfteren ein Stübchen Bier bewilligt." (17.Jh)

"Viele Personen sterben an der Pest. Das ist daraus zu ersehen, dass im nächsten Jahre, eine Menge Eheschließungen erfolgen." (um 1626)

"In früheren Jahren war viel Parteigezänk, Uneinigkeit der Ortseinwohner an der Tagesordnung. Doch jetzt ist schon mehrere Jahre Frieden eingekehrt." (1909)

"Gegen 10 Uhr kommen von Rudolstadt ca. 300 Personen mit Handwagen ins Dorf. Sie sind bewaffnet und verlangen vom Bürgermeister kategorisch die Herausgabe von 200 Zentner Kartoffeln. Den Bauern wurde im Weigerungsfall mit Totschlag und Feuersbrunst gedroht. (Es handelte sich offenbar um revolutionäre Gruppen, welche die Ernährung der Rudolstädter Bevölkerung sichern wollten und zur Selbsthilfe griffen.)" (1920)

"Eine gemeinsame Beschwerde der Orte Sundremda, Altremda und Kirchremda gegen die ungewollte Eingemeindung nach Remda. Ein Schreiben an den Landtagspräsidenten in Weimar führt aus wahltaktischen Gründen zum Erfolg. Die Gemeinden bleiben selbstständig." (1923/ 1924)

"Der Kreis Rudolstadt und das Ministerium in Weimar haben kein Geld." (1925)

"Arno Apel werden bei einem Gewitter auf dem "Hohen Weg" die Pferde am Wagen erschlagen. Er selbst hatte sich am "Kippstock" festgehalten und wurde durch den Druck in die Büsche geschleudert. Außer dem Schrecken hat er keinen Schaden davon getragen." (1934)

"Der Gemeindevorstand verbietet das Betreten der Gemeindewiese bei Strafe von 3 RM bei Nichtbeachtung." (1936)

"Der Feuerwehrleiter Adolf Schmidt wird wegen des Besitzes der Feuerwehruniform von den amerikanischen Besatzungssoldaten verprügelt." (1945)

"Polizist in Remda ist nun Waligora. Er nennt sich Abschnittsbevollmächtigter und betreut die umliegenden Gemeinden, so auch Sundremda, mit. Ordnung und Sicherheit setzt er unkonventionell und mit kräftigen Armen durch." (1946)

"Die Ortsgruppe der demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) wird gegründet. Zeitgleich mit der DBD wird die Ortsorganisation der VdgB gegründet. Mitglieder sind dieselben Leute." (1948)

"Ein Kettenfahrzeug der Sowjetarmee fährt nachts mit betrunkenem Fahrer in den Trafo des Ortes. Der Trafo wird völlig zerstört. Kein Strom im Ort. Es wird ein Behelfstrafo errichtet." (1969)

News:

Ansprechpartner
Vermietung Vereinshaus:
Josefine Seydel
036744/139891 oder
0162/6812829

Der neue Vorstand

Kirmes
29.09.2018
21:00 Uhr

Adventsbasteln
01.12.2018
14:00 Uhr
 
Heute waren schon 13 Besucher hier!